Aus der Freischarenzeit 1849

Herr Karl Franck, Lindenwirt und Schmied in Alsenbrück, erzählte mir folgendes, das er einst von seinem Vater hörte:

Es war im Juni 1849 um die Heuernte. Jeden Abend wurde auf der Straße vor dem Dorfe tüchtig exerziert bis 10 Uhr. Der Kommandant war der Alsenbrücker Lehrer Adam Franck, der droben im Klosterhof wohnte. In der Schmiede aber wurden Sensen geschliffen für die Freischärler. Eines Mittags stand der Lehrer mit seiner Sense vor der Schmiede, als der Notar von Winnweiler vorbei ritt. Herr „Notar, ist die Sense schön“, fragte der Lehrer. „Sehr“, erwiderte der Notar und ritt lachend weiter.

Am Abend kamen von Winnweiler her etwa 60 Mann in Viererreihen marschiert mit Trommeln und Sensen. Es waren Appeltäler. Hier in Alsenbrück übernachteten sie. Ihr Wagen mi allerlei Gepäck fuhr drüben bei der Mühle an bei Müller Eymann. Der Knecht Leppla, der Vater der jetzigen alten Frau Scheithe, sollte am nächsten Tage die Sachen nach der Vorderpfalz bringen. Die Nacht verging.

Am nächsten Morgen hieß es: In Steinbach sind die Preußen schon! Als die Freischärler beim Abmarsch an unseren Friedhof kamen, der damals halb so groß war als heute, kamen Langmeiler gelaufen und sagten: "Die Preußen sind schon in Langmeil!" Ein Freischärler um der andere schlich sich hinter hinter der Kirchhofmauer hinauf durch die Frucht, über die Kaiserstraße nach Münchweiler und Enkenbach. So kamen siedurch. Der Wagen mit Gepäck aber kehrte rasch um zur Mühle. Die Frau Müllerrin schlug vor Schreck die Hände über dem Kopf zusammen "Daniel, Mann, schaff das Zeug fort“ Der Knecht lud hinter der Mühle alles ab und niemand fragte an diesem Tage danach. Was daraus wurde, wußte niemand. Doch sollen manche Leute hier noch lange guten Schinken gegessen haben; auch hätten sie jahrelang Wäsche gehabt.

Die hiesigen Freischärler zerschlugen ihre Sensen und die letzten vergruben sie in die Dickwurzeln ins Francke Acker. So fanden die Preußen nicnts. Bei Lehrer Franck suchten sie alles aus. Neben dem Haus stand ein Brennhaus. Darunter war ein Keller. Der Eingang war verschlossen durch eine Falltür in der Kammer. Über der Stelle stand ein Bett. Die Preußen rückten das Bett weg, drangen in den Keller, glaubten Waffen finden, aber nur Koffer standen darinnen mit Getüch. Das war gut so! Die Preußen hielten hier kein strenges Gericht.

1925 Adolf Christmann

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