Die Beerenmühle

Autor: Peter Wasem

beermuehl 01

Umzug der „Beeremihl“ nach Langmeil

Die Umsetzung der Obstmühle vom Wäschbacherhof auf den ehemaligen Schulhof in Langmeil ist am 26. Oktober 2014 feierlich begangen worden.

Die „Beeremihl“ an ihrem alten Standort auf dem Wäschbacherhof

Die Obstmühle war über Jahrzehnte an ihrem alten Standort an der Abzweigung der Hofstraße in den Hintertalerweg Treffpunkt der (Wäschbacher-)Höfer Jugend. Seit den 1920er Jahren war sie unbenutzt und so versank ihr Trog immer mehr im Erdreich, der Mahlstein lehnte über Jahrzehnte an der alten Scheune gegenüber. In den 1970iger Jahren war die „Beeremihl“ das erste Objekt der Dorfverschönerung auf dem Wäschbacherhof. Die Höfer setzten den Trog wieder auf die Erde, installierten den Mahlstein und stellten eine Bank hinzu. Von nun an lud sie nicht nur die Jugend, sondern auch die Älteren zum Treffen und Verweilen ein.
So hergerichtet, konnte man auch ihre ursprüngliche Funktion erkennen bzw. erahnen.

Hinterlassen hat uns Heinrich Kennel nicht nur diese Obstmühle, sondern sogar eine zweite, etwas größere, deren Trog heute als Springbrunnen dient und der Mahlstein als Gartentisch dient. Mit zu den beiden Obstmühlen gehörte auch eine Obstpresse und eine Schnapsbrennerei. Die Obstpresse steht vor dem Anwesen Hartmann, die Obstbrennerei befand sich in dem zum Anwesen gehörende Scheune, die heute zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Heinrich Kennel hatte sich um 1881 im Obst- und Weinbau versucht. Nach seinem Tod 1907 hatte seine Frau den Betrieb bis in die 1920er Jahre aufrecht erhalten.

Die Obstmühle, die nun am neuen Platz in der Langmeiler Dorfmitte steht, besteht aus fünf zueinander passenden Sandsteinen. Der Trog ist dreiteilig und wird heute wieder wie im Originalzustand mit Metallklammern zusammengehalten. Die Nahtstellen mußten vor dem Gebrauch mit Lehm abgedichtet werden, damit nichts von dem wertvollen Saft verloren geht. In der Mitte liegt ein nach oben abgerundeter Stein, der wegen seiner Ähnlichkeit zu einem Handkäse „Käs“ genannt wird. In einer Eisenstange steckt ein Eichenbalken, der durch den Mahlstein geht und diesen im Trog führt. Am Ende des Balkens befindet sich ein Sellscheit, an das das Geschirr eines Zugtieres eingehängt wurde. Mahlsteine dieses Kalibers konnte nicht mehr von Hand gezogen werden. Normalerweise wurden für diese Arbeit Kühe eingesetzt. Aber nicht jedes Stück Vieh eignete sich dazu eine gute Stunde im Kreis herum zu laufen.
Wie das Zerkleinern geschah, ist in einem Bericht überliefert (1): „Nun schüttete man fünf bis sechs Körbe Obst in den Trog und begann mit dem Zerkleinern des Obstes. Man mußte versuchen, daß das Tier ca. 50 bis 60 Mal den Stein im Trog herumzog und man mußte unterdessen mit einem Holzpfahl immer wieder die Masse unter den Mahlstein befördern, bis sie ganz fein war und gut zum Auspressen.“
Dieser Obstbrei wird als „Troß“ bezeichnet und wurde in die üblicherweise neben der Mühle stehenden Obstpresse geschaufelt. Die Obstpresse besteht aus einem rechteckigen Sandsteinblock und stand auf vier Sandsteinen. Sie ist ca. 25 cm ausgehöhlt und mit einer Schräge zum Auslauf hin versehen. In der Mitte befindet sich eine eiserne Spindel mit einer Schraube. An dieser Schraube wird eine Stange zum Auspressen eingesteckt. Die Presse besaß keinen eigenen Presskorb, sondern wurde aus starken Holzbrettern und Holzbalken aufgebaut.
Der Ablauf der Obstpresse wurde vor dem Befüllen mit dem Obstbrei mit einem Büschel Stroh oder einem Tuch zum Filtern versehen. Anschließend wurden dicke Bohlen auf den Obstbrei gelegt. Hierbei galt es zu beachten, daß die Bretter nicht zu dicht beieinander lagen und nicht über den Trogrand hinaus standen. Auf diese Bretter wurden nun Balken und Querbalken bis an die Kelterschraube aufgebaut. Mit der Stange wurde nun über die Kelterschraube der Obstbrei ausgepresst. Der Obstsaft wurde filtriert und in den bereitgestellten Gefäßen aufgefangen. Wenn die Obsternte entsprechend gut ausgefallen war, durften sich auch die Kinder ihren Anteil holen. Der Most wurde in die Keller geschafft und dort in Holzfässer oder in Korbflaschen abgefüllt. Zum Gären braucht dieser Most circa sieben bis acht Wochen. Wenn der Most nicht mehr „rauschte“, hatte er ausgegoren und war trinkfertig.
Sehr beliebt war es auch, den ausgepressten Rückstand mit Wasser aufzubereiten und durch eine erneute Pressung den sogenannten „Haustrunk“ herzustellen, der abends nach getaner Arbeit durch so manchen Durst stillte.

Die Obstmühle und Obstpresse konnte von den Anwohnern gegen eine kleine Gebühr genutzt werden. In diesen Fällen wurde der Obstsaft häufig direkt in Korbflaschen abgefüllt und darin vergärt.

Das Vorhandensein von gleich zweier Obstmühlen deutet auf die hohe Bedeutung des Obstbaues in der damaligen Landwirtschaft hin. Mit den Obstmühlen sind leider auch die vielen Streuobstwiesen verschwunden, die einst unsere Landschaft bereichert haben.

Sehr schön wäre es, die alte Obstmühle wieder voll funktionsfähig zu machen und sie wieder in Betrieb zu sehen. Idealerweise könnte sie als Teil eines reaktivierten „Bauernpfades“ auf die Bedeutung der Landwirtschaft hinweisen und den Tourismus in unserer Region anregen.

Die Beerenmühle und den Brunnen finden Sie im Ortsbereich Langmeil an der alten Schule.

(1) Fallot-Burghardt, Willi: Pfälzische Obstmühlen, Kaiserslautern 1989, S. 42.

Original Template von a4joomla - angepasst von geomart UG . . . . . . . . . . . . . . . geomart UG - die Regionalen